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Krankenpflegevereine

Plakat: Mit Herz und Hand. Krankenpflegevereine und Sozialstationen im Bistum Eichstätt - gestern und heute
Mit Herz und Hand
Krankenpflegevereine und Sozialstationen im
Bistum Eichstätt -gestern und heute
Quelle: Caritasverband für die Diözese Eichstätt 2005

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war „Krankenversicherung" für die meisten Menschen hierzulande ein Fremdwort. Die Katastrophe des 1. Weltkriegs und die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der Nachkriegsjahre prägten die Epoche. In dieser bewegten Zeit liegt die Geburtsstunde vieler Krankenpflegevereine unserer Diözese. Oftmals waren engagierte Ortspfarrer die Initiatoren der Vereinsgründung. Sie erfuhren, wie wichtig es war, ambulante Krankenpflege in der Pfarrei anzubieten. Schließlich konnten sich viele Menschen damals keinen Arzt leisten. Sie halfen vielen Leiden mit oft unzulänglichen Hausmitteln ab. So ging man vielerorts auf die Suche nach Ordensfrauen für die ambulante Krankenpflege. Und so kamen sie in die Pfarreien, die Niederbronner, die Abenberger oder die Mallersdorfer Schwestern.

Erst Schwestern mit Entschlossenheit und Tatkraft

Meist sehr sachkundig, zupackend und mit ausgeprägtem Sinn für das Notwendige im direkten Wortsinn machten sich die Frauen an die Arbeit. Von Entschlossenheit, Tatkraft und praktischem Sinn berichten auch die Protokolle von Gründungsversammlungen und Vereinssitzungen der Krankenpflegevereine. Da geht es um die Suche nach geeigneten Ordensschwestern, um passende Räume für die Schwestern und Geldleistungen an die Ordenshäuser. Oder um Vereinswerbung, Beiträge und die Anschaffung von Pflegehilfsmitteln von der Sitzbadewanne bis zum Inhaliergerät. Deutlich wird, dass die großartige Leistung der ambulanten Krankenpflege nur durch das soziale Engagement einzelner Persönlichkeiten und vieler solidarischer Unterstützer möglich wurde. Mancherorts gab es keine Familie, die nicht zum Krankenpflegeverein gehörte.

Viele Jahrzehnte taten dann die Ordensschwestern ihren Dienst, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter zu Fuß und auf dem Fahrrad. In manchen Ortschaften standen den Ordensfrauen Helferinnen zur Seite. Oft wurde die Schwester zu Kranken gerufen, zu denen heute der Arzt kommen würde, aber der war nicht zu bezahlen. Der Lohn der Schwestern war ein Taschengeld. Sie bekamen auch Naturalien wie Eier, Butter, Schinken. Die Krankenschwestern in Ordenstracht gehörten zum Ortsbild, ihr Dienst war nicht mehr wegzudenken, lief zuverlässig wie ein Uhrwerk und ganz selbstverständlich.

Dann Impuls aus Verband, Vereine zu Trägern zu machen

In den Sechziger und Siebziger Jahren litten die sozialen Frauenorden zunehmend an Nachwuchsmangel. Es wurde immer schwieriger, die ambulanten Krankenpflegestationen der Pfarreien zu besetzen. Der Caritasverband der Diözese Eichstätt erkannte damals das Gebot der Stunde. Von ihm gingen Impulse in die Pfarreien hinaus. Auf lokaler Ebene fielen diese Anregungen auf fruchtbaren Boden. So trugen viele engagierte Ehrenamtliche vor allem in den achtziger Jahren dazu bei, Krankenpflegevereine als künftige Träger von Sozialstationen wieder zu gründen oder neu zu beleben.

Die Arbeit der Ordensfrauen in der ambulanten Pflege und das Vereinsleben der Krankenpflegevereine verlief unspektakulär. Die junge Generation weiß oft nichts mehr von dem einst wichtigen Dienst der Krankenschwestern in der Ordenstracht, denen man keine Straßennamen widmete. Die Namen und die Leistung vieler Ordensfrauen, die manchmal über vierzig Jahre fast unentgeltlich ihren aufreibenden Dienst taten, geraten in Vergessenheit. Die auch aus der großen Tradition begründete Bedeutung der Krankenpflegevereine wird vielerorts nicht mehr gesehen.

Eigenleben mit interessanten Angeboten entwickelt

Doch nach dem Weggang der Ordensschwestern ging die ambulante Krankenpflege in den Pfarreien keineswegs unter. Die Krankenpflegevereine verstanden den Ruf der neuen Zeit. Als Träger machen sie die unentbehrliche Arbeit von achtzehn Sozialstationen in der Diözese Eichstätt erst möglich. Viele Vereine entwickeln auch ein beachtliches Eigenleben mit verschiedenen wichtigen und interessanten Angeboten vom Informationsabend bis zum Yogakurs. So widmet sich das erste Kapitel auch dieser Vitalität und Tatkraft in der Gegenwart.